Mi

25

Mär

2020

Christian Radkovsky ist neuer Vorsitzender des Weilburger Geschichtsvereins

Blumen vom neuen Vorstand für Frances Wharton - V.l.n.r.: Christian Radkovsky, Matthias Losacker, Mathias Knatust, Dieter Langer, Gerhard Pauligk, Hans-Peter Schick, Frances Wharton,  Peter Krauß - Foto: ©Geschichtsverein Weilburg
Blumen vom neuen Vorstand für Frances Wharton - V.l.n.r.: Christian Radkovsky, Matthias Losacker, Mathias Knatust, Dieter Langer, Gerhard Pauligk, Hans-Peter Schick, Frances Wharton, Peter Krauß - Foto: ©Geschichtsverein Weilburg

Weilburg (HPS). – Einstimmig hat die Mitgliederversammlung des Weilburger Geschichtsvereins am 7. März Christian Radkovsky zum neuen Vorsitzenden und damit zum Nachfolger von Matthias Losacker gewählt. Die Vorstandswahlen unter der Leitung von Bruno Götz brachten bei nur einstimmigen Wahlen folgendes Ergebnis: 2. Vorsitzender Werner Richter, Schriftführer Hans-Peter Schick, Kassierer Gerhard Pauligk, Archivpfleger Peter Krauß und als Beisitzer Ann-Kathrin Schild, Matthias Knaust, Pfarrer Guido Hepke und Dieter Langer. Kraft Amtes gehört der Leiter des Bergbau- und Stadtmuseums Holger Redling ebenfalls dem Vorstand an. 106 Mitglieder zählt der Geschichtsverein Weilburg.

 

Bei seinem Rückblick auf das Vereinsgeschehen nannte Matthias Losacker das Jahr 2019 eines der aktivsten Jahre des Weilburger Geschichtsvereins. Losacker dankte dem Vorstand sowie den Mitgliedern und allen Partnern in der Arbeit für das erfolgreiche gemeinsame Wirken. Stellvertretend für die Aktivitäten in 2019 nannte Losacker die beiden Ausstellungen „L’esprit d’architecture – Bauen im Barock“ und „Weilburger Brücken – von der Steinernen Brücke bis zur Oberlahnbrücke“ sowie den TAG DES OFFENEN DENKMALS „Modern(e): Umbrüche in Kunst und Architektur“. Auch erwähnte Losacker die Präsentation des sanierten Friedensdenkmals auf der Steinernen Brücke sowie die Gedenkmomente anlässlich des 1100. Todestages von König Konrad I. und dem 300. Todestag von Graf Johann Ernst. Erfolgreich verlief die gemeinsame Fahrt mit dem Weilburger Forum „Auf den Spuren Nassaus“. Die Beiträge zur INTERKULTURELLEN WOCHE sowie die Stadtführungen und Vorträge fanden regen Anklang. Das von Prof. Dr. Dr. Gisbert Backhaus und Volker Vömel verfasste Keltenbuch ist nahezu bis auf 30 Exemplare verkauft.

 

Blumen für Matthias Losacker: Für 6 Jahre Engagement als Vorsitzender dankte ihm sein Nachfolger Christian Radkovsky -Foto: ©Dr. Johannes Hanisch
Blumen für Matthias Losacker: Für 6 Jahre Einsatz als Vorsitzender dankte ihm sein Nachfolger Christian Radkovsky -Foto: ©Dr. Johannes Hanisch

Nach den Vorstandswahlen stellten Matthias Losacker und Christian Radkovsky das Jahresprogramm 2020 vor: Der Geschichtsverein wirkt mit an der EUROPA-WOCHE vom 2. Bis 10. Mai, ebenso am Gedenken „175 Jahre Weilburger Synagoge“, am Luxemburger Nationalfeiertag in Wiesbaden-Biebrich und bei der Gruftöffnung in Weilburg. Gemeinsam mit nunmehr neun Partnern wird der Geschichtsverein am 12. und 13. September beim TAG DES OFFENEN DENKMALS zu dem Thema „Chance Denkmal: Erinnern. Erhalten. Neu denken“ mit einem umfassenden Programm aufwarten, dabei besonders die ehemalige Karlskirche, das alte Gymnasium mit Komödienbau, den Lehmstampfbau in der Niedergasse und die Hainkaserne ins Blickfeld rücken. Am 28. November veranstaltet der Geschichtsverein Weilburg dann einen Akademischen Abend anlässlich des 40-jährigen Vereinsbestehens. Und schließlich am 14. Dezember spricht Bürgermeister a.D. Hans-Peter Schick zu dem Thema „Die neue Stadt Weilburg – 50 Jahre Grenzänderungsvertrag“. Weiterhin wird sich der Geschichtsverein gemeinsam mit der Stadt Weilburg sowie dem Kur- und Verkehrsverein für die Verwirklichung eines Stadtreliefs einsetzen.

 

Bürgermeister Dr. Johannes Hanisch und Stadtverordnetenvorsteher Bruno Götz dankten dem Geschichtsverein Weilburg für seine herausragenden Leistungen und die glänzende Zusammenarbeit mit der Stadt Weilburg. Einen besonderen Dank richtete der Bürgermeister an Matthias Losacker für seine sechsjährige erfolgreiche Tätigkeit als Vorsitzender.

 

Zum Abschluss der Versammlung dankte Matthias Losacker allen Mitgliedern sowie dem Vorstand, die den Grundsatz gelebt haben „Das Wirken im Verein muss Freude machen“. Der scheidenden Beisitzerin Frances Wharton überreichte Losacker als Zeichen des Dankes einen Blumenstrauß.

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Mo

09

Mär

2020

Jubiläum 40 Jahre Geschichtsverein Weilburg

Am 28. November in der Aula des Komödienbaus

In der Aula des Komödienbaus feiert der Geschichtsverein Weilburg sein Jubiläum. „Nordansicht Weilburgs vom "Kanapee" aus, um 1830“, in: Historische Ortsansichten <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/oa/id/3345>
In der Aula des Komödienbaus feiert der Geschichtsverein Weilburg sein Jubiläum. „Nordansicht Weilburgs vom "Kanapee" aus, um 1830“, in: Historische Ortsansichten <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/oa/id/3345>

Weilburg (HPS). – Der Weilburger Geschichtsverein wurde im Sommer 1980 gegründet und so kann der Verein in diesem Jahr 2020 sein 40-jähriges Bestehen würdigen.

 

Aus diesem Anlass findet am Samstag, 28. November, um 19 Uhr in der Aula des Komödienbaus Weilburg ein Akademischer Abend statt.

 

Alle Mitglieder sowie Freunde und Förderer des Vereins werden gebeten, sich bereits jetzt den Termin zu reservieren. 

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Sa

07

Mär

2020

Geschichtsverein Weilburg lädt zur Jahreshauptversammlung

Am 7. März 2020 um 15:00 Uhr im Spielmann-Kulturzentrum Weilburg, Frankfurter Straße 42

Weilburg (HPS). – Berichte des Vorstands, Neuwahl des Vorstands und das Jahresprogramm 2020 stehen im Mittelpunkt der diesjährigen Jahreshauptversammlung des Geschichtsvereins Weilburg e.V..

 

Die Jahreshauptversammlung findet statt am Samstag, 7. März, und zwar um 15 Uhr in der Aula des Spielmann-Kulturzentrums Weilburg, Frankfurter Straße 42. Auf Grund der Bedeutung der Versammlung sind alle Mitglieder herzlich eingeladen.

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So

01

Mär

2020

Tag des offenen Denkmals 2020

Luftbild Weilburg von Dktue, via Wikimedia
Luftbild Weilburg von Dktue, via Wikimedia

Weilburg (HPS). – Unter dem Leitwort „Chance Denkmal: Erinnern. Erhalten. Neu Denken“ stehen beim TAG DES OFFENEN DENKMALS 2020 in Weilburg die ehemalige Karlskirche (Vorstadt), das alte Gymnasium mit Komödienbau, der Lehmstampfbau in der Niedergasse 22 und die Hainkaserne im Blickpunkt. Der TAG DES OFFENEN DENKMALS findet bundesweit am Sonntag, 13. September, statt.

 

Weilburg beteiligt sich seit 1993 von Beginn an alljährlich mit Aktivitäten vor Ort. Der TAG DES OFFENEN DENKMALS am 13. September in Weilburg beginnt um 10.30 Uhr mit einem Gottesdienst in der Schlosskirche sowie einem offiziellen Moment mit dem 1. Kreisbeigeordneten Jörg Sauer und Weilburgs Bürgermeister Dr. Johannes Hanisch. 

 

Um 12 und um 14 Uhr starten auf dem König-Konrad-Platz Führungen zu der ehemaligen Karlskirche, dem alten Gymnasium mit Komödienbau, dem Lehmstampfbau in der Niedergasse und der Hainkaserne. Insbesondere die ehemalige Karlskirche, Gymnasium/  Komödienbau und Hainkaserne stehen für vielfältige Nutzungen in ihrer Geschichte.

 

Ebenfalls um 12 und um 14 Uhr werden in der Schlosskirche Führungen durch den Kirchturm und zum Dachstuhl der Kirche angeboten. Den Abschluss des Tages bildet um 17 Uhr in der Schlosskirche ein Benefiz-Konzert zugunsten der Arbeit von Health for Uganda. Die Bevölkerung ist zu allen Veranstaltungen herzlich eingeladen.

 

Da am eigentlichen TAG DES OFFENEN DENKMALS zahlreiche Veranstaltungen an vielen Orten im Landkreis Limburg-Weilburg stattfinden, laden die Veranstalter insbesondere auch die kreisweit in der Denkmalpflege Aktiven am Vortag, 12. September, um 10 Uhr zu der Führung „Ehemalige Karlskirche, Gymnasium/Komödienbau, Lehmstampfbau und Hainkaserne“ ein, ebenso die Bevölkerung.

 

 

Den TAG DES OFFENEN DENKMALS 2020 in Weilburg veranstalten gemeinsam der Geschichtsverein Weilburg, die Evangelische Kirchengemeinde Weilburg, die Katholische Pfarrgemeinde Heilig Kreuz Oberlahn, die Schlossverwaltung Weilburg, das Bergbau- und Stadtmuseum, der Obst- und Gartenbauverein Weilburg, die Oberlahn-Winzer, die Stadt Weilburg und der Landkreis Limburg-Weilburg. Die interessierte Bevölkerung wird gebeten, sich bereits jetzt die Termine vorzumerken.

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Mi

05

Feb

2020

Rückblick:"250 Jahre Steinerne Brücke zu Weilburg an der Lahn"

Der Geschichtsverein Weilburg veröffentlicht hier die Rede seines Schriftführers, Bürgermeister a. D. Hans-Peter Schick zu "250 Jahre Steinerne Brücke zu Weilburg an der Lahn"

Weilburg, Steinerne Brücke (Quelle: Dguendel, Wikimedia)
Weilburg, Steinerne Brücke (Quelle: Dguendel, Wikimedia)

Hans – Peter Schick

Weilburg an der Lahn

 

 

250 Jahre Steinerne Brücke zu Weilburg an der Lahn

„Weilburger Brücken – von der Steinernen Brücke bis zur Oberlahnbrücke“

Vortrag:        Samstag, 5. Oktober 2019, 11.00 Uhr

                        Galerie der Kreissparkasse Weilburg

 

 

                                               Brücken verbinden, bringen uns weiter:

Man kann Ufer verlassen und neue Ufer erreichen!

 

Sehr geehrter Herr Direktor Stephan Gürtler,

sehr geehrter Herr Bürgermeister Dr. Johannes Hanisch,

sehr geehrter Herr Vorsitzender Matthias Losacker,

 

seit weit über 700 Jahren verbinden Brücken die Taunus- und die Westerwald-seite unserer Stadt Weilburg an der Lahn. Nach zuvor hölzernen Brücken ließ Graf Johann I. von Nassau-Weilburg 1359 die erste Steinerne Brücke errichten, diese Brücke wurde 1408 durch Hochwasser und Eisgang zerstört, ihre Nachfolgerin erlitt 1552 das gleiche Schicksal. Graf Philipp III. (1504 – 1559) ließ dann wieder eine neue Steinerne Brücke errichten, die im Winter 1698/99 beschädigt und durch ein Unwetter in der Neujahrsnacht 1763/64 dann nahezu vollends zerstört wurde. Ursache war sicherlich jeweils die zu hoch angesetzte Gründung der Brücken. Unter Fürst Carl Christian von Nassau-Weilburg (1735 – 1788) wird dann 1765 bis 1969 die heute noch stehende vierte Steinerne Brücke errichtet; mit dem Bau wurde der Bauinspektor Johann Friedrich Sckell beauftragt. 

 

Der Schlussstein im Mittelfeld der Brücke wurde am 7. Oktober 1769 gesetzt. Über diesen denkwürdigen 7. Oktober berichtet der Bauinspektor Sckell:

„Der einigermaßen konträren Witterung ohngeachtet ist in dieser Woche und zwar heut Mittag gegen 2 Uhr durch Anwendung des äußersten Fleißes nun auch der letzte Brückenbogen glücklich und ohne dass jemand von denen daran Arbeitenden verunglückt oder sonsten Schaden genommen hat, geschlossen worden. Wo die beiden Handwerker der Steinhauer und Maurer nebst denen übrigen Arbeitern auf ihr eigenes Veranstalten unter Vorgehung einer Bande Musikanten, um den letzten Schlussstein abzuholen, in processione nach der Steinhauerhütte zogen, und als derselbe ausgeladen und ein Maurer mit in Hand habendem und mit Bändern gezierten Strauß sich auf denselben gesetzet, derselbe unter vielem Frohlocken zur Stelle bracht, sofort gehörig eingesetzt und von einem Maurer der Gewohnheit nach ein Spruch gesagt worden war, so wurde von sämtlichen Handwerkern und Arbeitern das Lied „Nun danket alle Gott“ unter Beistimmung der Musikanten abgesungen. Während diesem actu nun fuhr der sehr schwer beladene und mit 6 Personen besetzte Postwagen, von Limburg kommend, an welchem der hießige Posthalter Hofmann vorging und sofort die bereits mit Sand beschüttete Brücke zu aller Anwesenden innigster Freude, zum ersten Male passierte. Worauf dann die beiden Handwerker der Maurer und Steinhauer, um das von dem Herrn Kammerrates Thomae wohlgeboren ihnen der Gewohnheit nach gütigst ausgesetzt zu verzehren in processione nach dem Wirtshaus „Zum grünen Baum“ zogen und sich hierbei einigermaßen belustigten. Künftig wird nun an der zurückgebliebenen Steinmauer und Verdachung der Pfeiler solange es die Witterung zulassen fortgearbeitet, die Pritsche abgelegt und das Bogengehölz zum Versteigern auf Seite gebracht werden.

Weilburg, d. 7., Oktober 1769   Sckell“

 

 Die Verkehrsfreigabe erfolgte am 13. Oktober 1769, und zwar nach dreimaliger Bekanntmachung in der „Frankfurter Kayserlichen Oberpostamtszeitung“. In den Folgejahren bis 1789 wurden noch die Brüstungen, die Flügelwände an den Widerlagern und die beiden Brückenhäuschen geschaffen und die Fahrbahn gepflastert. Das Postgebäude wurde 1786/87 errichtet.

 

Heute können wir auf 250 Jahre Steinerne Brücke zurückblicken. Die Brücke ruht, ja steht auf 600 Buchenstämmen und einem Rost aus Eichenbalken und trägt von Beginn an bis heute jeglichen Straßenverkehr, war bis 2005 Teil der Bundesstraße 456, ehe die Oberlahnbrücke diese Funktion ablöste.

 

Am 27. März 1945 sprengte die Deutsche Wehrmacht den Ernst-Dienstbach-Steg (militärstrategisch höchst bedeutsam oder?), die Eisenbahnbrücke und die Steinerne Brücke (zwei Bogen), jeweils jedoch so unvollkommen, dass alle drei Brücken zeitnah wiederhergestellt werden konnten. Einzig das Friedensdenk-mal auf der Steinernen Brücke kehrte erst 2006 wieder zurück. Diese Sprengungen wenige Tage vor Ende des II. Weltkrieges sprechen für die Verblendung, die im Krieg und in dieser Zeit herrschte.

 

Die Steinerne Brücke weist bei fünf Bogen eine Gesamtlänge von 83 m auf, die Breite zwischen den Brüstungen beträgt 8,65 m. Alle Sicht- und Bogenunter-flächen bestehen aus einem sehr regelmäßig behauenen rot gefärbten Schalstein (verschieferter Diabas- oder Keratophyr-Tuff des Devon) aus dem Steinbruch im Schellhof. 1988 wurden umfassende Instandsetzungsarbeiten bei Vollsperrung an der Steinernen Brücke durchgeführt und zwar mit einem Kostenaufwand von rund 1,32 Millionen DM, einschließlich den Kosten für die Behelfsbrücken für Kraftfahrzeuge und Fußgänger.

 

Seit nunmehr 250 Jahren bestimmt die Steinerne Brücke das Leben in Stadt und Region, prägt das Stadtbild Weilburgs gemeinsam mit der Schlossanlage und der Lahn. Mit der Verkehrsfreigabe der Oberlahnbrücke am 22. Dezember  2004 wurde die alte Stadtdurchfahrt von der Bundesstraße B 456 auf eine Ortsstraße abgestuft und damit auch die Steinerne Brücke, ebenso übrigens auch das Landtor, alles wurde Eigentum der Stadt.

 

Mit der Ausstellung „Weilburger Brücken – von der Steinernen Brücke bis zur Oberlahnbrücke“ präsentieren wir vom Geschichtsverein Weilburg insgesamt gleich 14 Brücken, davon allein 10 Lahnbrücken. Weilburg - die Stadt am Fluss, ja die Stadt im Fluss!

 

Folgen wir der Lahn flussabwärts:

 

Die Ahäuser Brücke wurde 1912, 1949 und 1999 jeweils neu errichtet, das heißt, in 30 Jahren ist eine neue Ahäuser Brücke wieder zu bauen, daher sollte bei der heutigen Bürokratie und  den heutigen Egoismen das Baugenehmi-gungsverfahren in 10 Jahren beginnen. Zwei herausragende Verträge zwischen der Stadt Weilburg und dem Land Hessen zeigen wir zum Bau der Ahäuser Brücke 1999: Zum einen den Vorfinanzierungsvertrag vom 3. Juni 1998, und zum anderen die Rückzahlungsvereinbarung vom 5. Juli 2000. Denn die Stadt Weilburg hat dem Land Hessen den Bau der landeseigenen Brücke im Zuge der L 3025 mit 9,5 Millionen DM vorfinanziert; in dieser Form einmalig in der Geschichte des Landes Hessen. Die Vorfinanzierung erfolgte im Zusammen-wirken von Stadt, Weilburger Lackfabrik, heute Weilburger Coatings, und Kreissparkasse Weilburg; sie war entscheidend für den Verbleib der Lackfabrik in Weilburg, denn ohne neue Brücke wäre das Unternehmen für LKW-Verkehr nicht mehr erreichbar gewesen. 1998 hatte der Straßenbau in Hessen keinen Stellenwert, der Vertrag erfolgte am Landeshaushalt vorbei, seitens der Stadt war alles eine Frage der Zivilcourage mit Augenmass!

 

Auf Höhe der Walderbacheinmündung in die Lahn wurde 1864 zum Erreichen der Verladestation für Eisenerz ein Eiserner Steg übe die Lahn geschaffen, der in späterer Zeit nach Löhnberg wanderte und Vorläufer des heutigen Stegs zwischen Löhnberg und Selters wurde. Weilburg hat Selters immer geholfen, bis heute!

 

Als dritte Brücke auf unserer Reise ist die Eisenbahnbrücke im Zuge der Lahn- talbahn zu nennen, zunächst 1862 eingleisig und 1875 zweigleisig mit vier Türmen als Portale, je zwei auf jeder Seite, einst ein imposantes Bauwerk, heute eine traurige Gestalt, Zeugnis des Engagements der DB AG im ländlichen Raum.

 

Vor dem Schiffstunnel findet sich dann im Zuge des Ahäuser Weges die nächste Brücke, früher im Zuge einer Landesstraße, heute auch eine Stadtstraße.

 

Die Verkehrsfreigabe für unsere nächste Brücke, die Oberlahnbrücke erfolgte am 22. Dezember 2004. 1. Spatenstich für den Bau der Teilortsumgehung mit Oberlahnbrücke, Mühlbergtunnel, Parkhaus, Postplatz und König-Konrad-Platz war am 27. Oktober 2000 gewesen. Baulich fertig gestellt wurde die Gesamt-anlage unmittelbar vor dem 45. Hessentag im Juni 2005 in Weilburg. Die Gesamtkosten beliefen sich auf rund 22 Millionen €; hiervon hatte die Stadt nur 1,3 Millionen € zu zahlen, die vom Land Hessen als zinsloses Darlehen gewährt wurden, alle anderen Kosten zahlten letztendlich Bund und Land. Mit dem in der Ausstellung präsentierten 200 Seiten starken Planfeststellungsbeschluss war am 22. November 1999 nach einem jahrzehntelangen Weg mit einem fürwahr starken, energischen und erfolgreichen Schlussspurt ab 1994 Baurecht geschaffen worden, die Finanzierung wurde binnen weniger Monate im Juni 2000 sicher gestellt. Stadtverordnetenvorsteher Norbert Dieth und ich haben im Herbst 1993 im Schlossgarten ein für die Weilburger Kommunalpolitik und die Stadtentwicklung sensationelles Gespräch geführt und anschließend konsequent für unsere gemeinsamen Ziele gemeinsam gearbeitet, Norbert kümmerte sich vor Ort um die Politik und ich kümmerte mich um Baurecht, Grunderwerb, Finanzierung, Baubeginn und Baudurchführung.

Die Oberlahnbrücke ist übrigens das erste integrale Brückenbauwerk des Landes Hessen, das heißt ohne höhenverstellbare Auflager und damit in der Bewirtschaftung kostengünstiger.

 

Es folgt die Jubilarin, unsere Steinerne Brücke. Die war 1988 umfassend saniert worden, dazu war sie gesperrt und der Verkehr wurde über eine Notbrücke zwischen Odersbacher Weg und Hainweg geführt; die Kosten der Sanierung einschließlich Verkehrsführung beliefen sich auf 1,32 Millionen DM.

 

Die nächste Brücke ist der Ernst-Dienstbach-Steg aus dem Jahre 1934, Nachfolger der Kettenbrücke im Rahmen der barocken Wasserversorgung.

 

Erwähnung verdient auch die Pontonbrücke oberhalb des Rollschiffes, die beim Hessentag 2005 die Straße „Im Bangert“ mit „Natur auf der Spur“ zwischen Hauseley-Felsen und Jugendzeltplatz verband. Mit Peter Maffey ging ich beim Hessentag über diese Brücke, „Über 7 Brücken musst Du gehen“.

 

Den Reigen der Weilburger Lahnbrücken beschließt dann die Brücke zwischen Kirschhofen und Odersbach aus den Jahren 1977 und 1978, die im kommenden Jahr umfassend saniert werden muss. Eine Brücke, über deren Nutzung beim Bau keine Klarheit herrschte und für die dann später, fast schon zu spät Entscheidungen getroffen werden mussten, eine Brücke, nichts Halbes und nichts Ganzes.

 

Im Bereich der Weil verdienen drei Brücken eine Erwähnung, zum einen die beiden Brücken im Bereich der Weilmündung und die Weilbrücke im Laufe des Weiltalradweges, die 2016 umfassend saniert wurde.

 

Zwei weitere Brücken darf ich zum Abschluss der Weilburger Brückenreise noch nennen, die Sie ebenfalls in der Ausstellung finden: Zum einen ein historisches Foto von der Brücke im Zuge der Spielmannstraße auf Höhe von Timmers Weiher und schließlich die Brücke im Zuge der B 456 im Bereich der Ein-mündung in die B 49, die 1999 erneuert wurde, nachdem ich gemeinsam mit der damaligen Bundestagsabgeordneten Frau Bärbel Sothmann wenige Wochen vor der Bundestagswahl 1998 beim damaligen Bundesverkehrs-minister Matthias Wissmann erfolgreich interveniert hatte.

 

Brücken sind notwendig, ja lebensnotwendig, für die Menschen, die Wirtschaft und das Leben einer Stadt und Region, sie bringen zusammen, sie fördern.

Vielleicht verdeutlicht dies am klarsten eine Aussage von Frau Folsche (Bäckerei Folsche Weilburg). Einige Wochen nach der Verkehrsfreigabe der Oberlahn-brücke bedankte Sie sich bei mir und sagte: „Dank der Brücke spare ich jetzt täglich eine Stunde an Zeit beim Beliefern unserer Filialen.“; das bedeutet 6 Stunden mehr frei verfügbare Zeit in der Woche. Und ein Zweites will ich ansprechen: Seit 1966 ist Weilburg Luftkurort, aber mit der Oberlahnbrücke haben sich die Luftwerte noch einmal deutlich weiter verbessert zum Wohle der Menschen und der Natur.

 

Herzlich danke ich unserer Ausstellungsarbeitsgruppe beim Geschichtsverein Weilburg mit Volker Vömel, Peter Krauß, Werner Richter, Frances Wharton und Gerhard Pauligk, in der ich mitarbeiten durfte, es war eine einzige Freude, auch wenn es nach „l’esprit d’architecture – Bauen im Barock in Weilburg“ bereits die zweite große Ausstellung unseres Vereins in diesem Jahr ist. Danken darf ich Frau Anne Schamp und Herrn Eike Dillenberger für die großartige Unter-stützung sowie der Kreissparkasse Weilburg für die Gastfreundschaft. Und der Stadt Weilburg, Herrn Bürgermeister Dr. Johannes Hanisch danke ich herzlich, dass ich noch einmal an meine alten Unterlagen zu Ahäuser Brücke (Finanzierungsverträge) und zu Oberlahnbrücke/Teilortsumgehung (Planfeststellungsbeschluss und grundlegenden Plan) durfte, mir aus vielen Jahren der Arbeit bestens vertraut, für die Öffentlichkeit jetzt aber eigentlich neu.

 

Und 15 Jahre ist verdammt lang her, viele wissen nicht mehr, wie chaotisch die Weilburger Verkehrsverhältnisse an der Kreuzung Frankfurter Straße/ Mühlberg/Ahäuser Weg und in der Niedergasse sowie der Altstadtdurchfahrt überhaupt waren. Mit einer Heizöllieferung in der Mauerstraße konnte man den Verkehr einer ganzen Region für Stunden lahm legen. Oberlahnbrücke und Mühlbergtunnel sind ein Segen für unsere Heimatregion.

 

Ich danke für die Aufmerksamkeit. Der Steinernen Brücke wünsche ich, dass sie noch viele Jahrhunderte den Menschen dienen kann und der Ausstellung wünsche ich weiterhin das verdiente Interesse bei den Menschen in Stadt und Region.

 

Weilburg an der Lahn, 5. Oktober 2019

 

Hans – Peter Schick

Schriftführer des Geschichtsvereins Weilburg

Bürgermeister a.D.

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Mo

13

Jan

2020

Rückblick: Rede 190 Jahre MGV „Liederkranz“ 1829 Weilburg e.V.

Der Geschichtsverein Weilburg veröffentlicht hier die Rede seines Schriftführers, Bürgermeister a. D. Hans-Peter Schick zum Jubiläum des befreundeten Vereins im November 2019

Hans – Peter Schick

Weilburg an der Lahn

 

 

190 Jahre Männergesangverein „Liederkranz“ 1829 Weilburg e.V.

Akademische Feierstunde:          Samstag, 2. November 2019, 19.00 Uhr,

                                                           Aula Komödienbau Weilburg

Festansprache

 

 

                                                           „Wo man singet, lass dich ruhig nieder,

                                                           Ohne Furcht, was man im Lande glaubt;

                                                           Wo man singet, wird kein Mensch beraubt,

                                                           Bösewichte haben keine Lieder.“

                                                                       Johann Gottfried Seumes (1763 – 1810)

                                                                       Schriftsteller und Dichter

                                                                       im Gedicht/Volkslied „Die Gesänge“

                                                                     

 

 

Sehr geehrter Herr kommissarischer Vorsitzender Hans Schmidt,

sehr geehrter Herr Sängerkreisvorsitzender Peter Sussiek,

sehr geehrter Herr Bürgermeister Dr. Johannes Hanisch,

sehr geehrter Herr Landtagsabgeordneter Tobias Eckert,

sehr geehrter Herr Kreisbeigeordneter Karl-Heinz Stoll,

werte Sangesfreunde,

meine sehr geehrten Damen und Herren,

 

Tradition ist Fundament, Gegenwart ist Leben, Zukunft ist Ziel. Der Männer-gesangverein „Liederkranz“ 1829 Weilburg ist der fünfälteste Gesangsverein in Hessen und kann auf 190 Jahre Vereinsleben zurückblicken, mit großer Dankbarkeit, aber auch mit Stolz. 190 Jahre sind fürwahr eine herausragende Leistung, und so gebührt den Vorständen, den Sängern und den Mitgliedern Dank und Anerkennung.

 

Gleichzeitig aber verpflichtet dieses Fundament, Verein und Chor heute zu leben, damit der 190. Geburtstag ein Meilenstein ist, das nächste Ziel aber sollte, ja muss lauten: Feier des 200.Geburtstages. Und bis dahin sind es keine zehn Jahre mehr; von den 73.050 Tagen liegen 69.397 bereits hinter uns, nur noch 3.348 Tage sind es bis zum Jahr 2029. Übrigens, die Feier des 200. Geburtstages sind wir auch unseren Vorfahren im Verein schuldig, denn die haben in weit schwierigeren Zeiten die Fahne des Vereines hochgehalten, so allein in und nach vier Kriegen (1866, 1870/71, 1914 – 1918 und 1939 – 1945).

 

Der Gesang der Chöre schenkt den Menschen Freude, Trost und Kraft. Musik und Gesang sind Weltsprachen, sie brauchen keine Übersetzung, sie führen Menschen zusammen, stärken Gemeinschaft. Wenn die Sprache die Menschen nicht mehr weiter bringt, dann fangen Musik und Gesang erst an. Wir Weilburger leben in einem europäischen Haus, das in einem globalen Weltdorf steht, und da ist es gut, dass Gesang und Musik den Geist in Haus und Dorf sowie unserer Stadt mitprägen, ja mitbestimmen. Vielleicht sollten unsere sogenannten großen Politiker mehr gemeinsam singen, dann erhalten wir auch wieder bessere politische Ergebnisse.

 

1829, das Jahr, in dem der Männergesangverein „Liederkranz“ Weilburg gegründet wurde: Weilburg zählte rund 2.200 Einwohner, die Stadt wuchs zusehends auf der unteren Westerwald- und der unteren Taunusseite (Limburger und Frankfurter Straße, Bahnhofstraße), Stadtschultheiß war Adolf Rohs (1821 – 1840), Herzog Wilhelm (1792 – 1839) führte das Herzogtum Nassau, auch heiratete Herzog Wilhelm in diesem Jahr als zweite Frau Pauline von Württemberg, die so überaus beliebte Prinzessin Henriette zu Nassau-Weilburg verstarb am 30. Dezember in Wien, das Gymnasium Philippinum, in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts “Demokratenschmiede“ genannt, zählte rund 150 Schüler.

 

2019 stellt sich das Vereinsleben des Männergesangvereins „Liederkranz“ 1829 Weilburg folgendermaßen dar: Regelmäßige Chorproben, zunächst noch mit dem Chorleiter Karl Glaßner, jetzt mit Jacob Winter, Singen beim Großmütterchenkaffee im Weilburger Stift, aber auch beim Volkstrauertag auf dem Weilburger Friedhof, Jahreshauptversammlung des 80 Mitglieder starken Vereins und Grillfest am Bootshaus sowie der Vereinsstand auf dem Weilburger Weihnachtsmarkt. Nach den Chorproben ist das Skatspielen stets eine große Freude für einige Sänger. Den Vorstand bilden: Hans Schmidt (kommissarischer Vorsitzender), Roland Nürnberger (Schatzmeister), Hans-Peter Schick (Schriftführer), Helmut Haybach (Beisitzer) und Werner Walter (Beisitzer). Erfolgreich arbeitet der Verein nunmehr mit der Kreismusikschule Oberlahn mit deren Leiter Dr. Martin Krähe, dem neuen Chorleiter Jacob Winter und dem Spielmannverein für Theater, Musik, Kunst, Technik und Medien Weilburg an der Lahn zusammen. Insgesamt hat sich die Atmosphäre in den letzten Wochen und Monaten erfreulich und Mut machend entwickelt.

 

Das Singen im Chor hat auch eine soziale Dimension: Die Mitglieder erleben Gemeinschaft mit Gleichinteressierten, mit Menschen aus ihrem Ort, mit Menschen, die sie kennen bzw. kennen lernen. Bei meiner Mutter, die über 65 Jahre in einem Chor gesungen hat, erlebte ich insbesondere im Alter die Bedeutung der Chorprobe: Die Woche gliederte sich in zwei Teile, und zwar die Tage vor der Chorprobe und die Tage nach der Chorprobe. „Alles kann der Mensch entbehren, nur den Menschen nicht“. (Ludwig Börne, 1786 – 1837, Journalist)

 

Beeindruckend ist für mich immer wieder erleben zu dürfen, welche Kameradschaft und Disziplin unter den Sängern im „Liederkranz“ herrscht. Chorproben und Auftritte gehen allen anderen Verpflichtungen vor. Erst kommt der „Liederkranz“ und dann alles andere. Die wöchentlichen Treffen bei der Chorprobe schaffen eine besondere Vertrautheit, ein besonderes Miteinander, man verlässt sich aufeinander, man kennt sich.

 

Ebenfalls bewundernswert ist, wie die Ehefrauen der Sänger Chor und Verein unterstützen. Ohne ihre Frauen wären die Sänger arm dran, ob beim Grillfest, bei der Jahreshauptversammlung, mit dem Verständnis für die Chorproben und Auftritte etc. Daher ein herzliches „DANKESCHÖN!“ an die Ehefrauen.

 

Der Männergesangverein „Liederkranz“ 1829 Weilburg ist einer der vier ältesten Weilburger Vereine, nach der Bürgergarde der Stadt Weilburg (1813) und vor dem Turnverein Weilburg (1848) sowie dem Kur- und Verkehrsverein Weilburg (1860). Die damalige Zeit war von Aufbruch geprägt, vom Geist der Freiheit und der Selbstbestimmung, aber auch dem Verantwortungsbewusst-sein für das gemeinsame Leben vor Ort; dies drückte sich landauf, landab auch in der Gründung von Vereinen aus, aber auch in dem Einsatz für demokratische Gedanken in Politik und Gesellschaft. In den Jahren 1848/49 wird der „Liederkranz“ als „Hort der Demokraten“ bezeichnet, ja man machte sogar aufmerksam auf „politisch Verdächtige“ in Weilburgs „Liederkranz“.

 

Am 20. Juli 1852 schrieb Weilburgs Bürgermeister Wilhelm Schmidt an Kreisamtmann Friedrich Halbey: „Schon seit langen Jahren besteht dahier ein Gesangverein junger Leute, der es sich früher besonders zur Hauptaufgabe machte, bei kirchlichen Festen der Protestantischen Gemeinde mitzuwirken. … Bis zum Jahr 1842 blieb dieser Verein allen politischen Tendenzen fern, von dieser Zeit an suchten aber Demagogen ihn zu ihren Zwecken zu benutzen, ohne dass die Mehrheit der Glieder des Vereins etwas Schlimmes dabei ahnten. … Der Gesangverein hat in diesen Tagen nicht allein zur Ehre und zum Ruhm der vielgepriesenen Freiheit gesungen, sondern auch, was ich ihnen nicht anders nachsagen kann, zur Feier der Anwesenheit Sr. Hoheit des Herzogs sowie zu Geburtstag und sonstigen Feierlichkeiten der Erlauchten Glieder des Herzoglichen Hauses. Seine Bestimmung blieb aber immer Übung des Gesangs und von Politik war bei ihnen keine Rede.

 

1829 wird auf Initiative von Pfarrvikar Johann Jakob Ludwig Hofmann der Verein gegründet, zunächst als Gemischter Chor, dann aber ab 1842 als Männergesangverein. Bereits ab 1840 führt der Verein den Namen „Liederkranz“.

 

28 Chorleiter zählt der Verein in seiner Geschichte, von Kantor J. Ph. P. Christfreund (1829 – 1842) über Jakob Mankel (1901 – 1903) und Hermann Schupbach (1936 – 1977) bis jetzt Jacob Winter (2019 -). Stellvertretend für alle Vorstandsmitglieder in den 190 Jahren darf ich Fritz Zilliken nennen, der von 1923 bis 1947 in schwerster Zeit als Vorsitzender wirkte, sowie Willi Heinen, der von 1959 bis 1984 den Verein führte.

 

1924 zählte der MGV „Liederkranz“ 108 aktive Sänger. Herausragende Ereignisse im Leben des „Liederkranz“ waren neben den Stiftungsfesten aus Anlass des 25-, 50-, 75-, 100-, 125-, 150 und 175-jährige Vereinsbestehens vor allem die Sängerfeste des Lahnbundes, von denen der MGV gleich mehrere seit 1847 in Weilburg ausrichtete. 1954 erhielt der „Liederkranz“ die Silberne Ehrenplakette im Auftrag des Hessischen Ministerpräsidenten Georg August Zinn.

 

Spannend ist festzustellen, dass der „Liederkranz 1924 108 aktive Sänger zählte, gleichzeitig aber auf Grund der Wirtschaftskrise die Zahl der inaktiven Mitglieder von 130 auf 47 sank. Nach dem II. Weltkrieg zählte der Chor 63 aktive Sänger. Die wirtschaftliche Situation und die Lebenswirklichkeit haben großen Einfluss auf soziales Verhalten der Menschen, auf Gemeinschaft, auf Vereinsleben. Heute geht es den Menschen zu gut, daher steckt das Ehrenamt in der Krise.

 

Stets sang der Chor bei kirchlichen und weltlichen Veranstaltungen. Oftmals veranstaltete der „Liederkranz“ Konzerte zugunsten sozialer Aufgaben, so bereits 1841 „für die hiesigen Armen“, 1876 für das örtliche Spital, 1921 für den örtlichen Krankenpflegeverein, 1923 für den Rentnerbund mit dem Ergebnis von über 20 Billionen Mark (20.473.500.000.000 Mark) oder 1936 zugunsten des Winterhilfswerks, um einige Beispiele bereits aus früherer Zeit zu nennen, bis heute, und so auch in wenigen Tagen am 16. November beim Großmütterchenkaffee im Weilburger Stift.

 

Das weltweit einmalige Weilburger Tunnelensemble ist ebenfalls mit dem Männergesangverein „Liederkranz“ Weilburg auf das Engste verbunden. Denn nur der „Liederkranz“ hat bei allen drei Verkehrsfreigaben 1847 (Schiffstunnel), 1862 (Eisenbahntunnel) und 2004 (Straßentunnel) die Feierstunden gesanglich mit gestaltet.

 

Ein fürwahr großer Schatz des Männergesangvereins sind die Notensätze aus 190 Jahren.

 

1989 anlässlich der 160-Jahrfeier wird dem Verein die ZELTER-Plakette verliehen, die höchste Auszeichnung für Chöre; die Urkunde ist unterzeichnet von Bundespräsident Richard von Weizsäcker. Karl-Friedrich Zelter gründete 1809 mit der Berliner „Liedertafel“ den ältesten deutschen Gesangverein. Im 19. Jahrhundert machten es sich die Gesangvereine zur Aufgabe „vor dem Volk, mit dem Volk und für das Volk durch Chorgesang Freude zu stiften“. Zu aller Zeit kam und kommt man in den Chören nicht nur um des Singens willen zusammen, sondern nicht zuletzt auch wegen der einigenden Kraft, die Begegnungen von Mensch zu Mensch.

 

Natürlich wirkte der Verein auch an der Gestaltung des 45. Hessentages 2005 in Weilburg mit. Ganz besonders hervorheben und würdigen muss ich das fast sechzigjährige Wirken für den europäischen Gedanken, das Zusammenleben im gemeinsame europäischen Haus mit zahlreichen Begegnungen mit Chören und Musikfreunden aus Privas, Zevenaar, Tortona und Kezmarok; bis heute pflegen Sänger noch persönliche Kontakte in Partnerstädte.

 

Zur 150-Jahrfeier 1979 heißt es in der Festschrift: Dass der „Liederkranz“ noch lange im kulturellen Leben Weilburgs vertreten sein wird, dafür sorgen auch schon seine Statuten: „Die Auflösung des Vereins kann nur dann erfolgen, wenn die Zahl der aktiven Mitglieder dauernd unter vier gesunken ist.“ Und so weit wird es ja wohl (auch in den nächsten 150 Jahren) nicht kommen! Soweit aus der Festschrift 1979. Damals gehörte bereits unser heutiger kommissarischer Vorsitzender Hans Schmidt dem Vorstand des MGV „Liederkranz“ an. Hans Schmidt ist nicht erst heute das Rückgrat unseres Vereins.

 

Wir haben ein Ziel: Den Männergesangverein „Liederkranz“ 1829 Weilburg  weiter zu leben mit Gesang und Geselligkeit, mit Verantwortung für uns und unsere Heimat, unsere Stadt Weilburg an der Lahn. Natürlich dürfen wir nicht blind sein vor manchen Wirklichkeiten, aber mit neuen Partnern wie Kreismusikschule, Spielmannverein, anderen Vereinen und neuem Elan kann eine Zukunft gewonnen werden. Vielleicht ist es aber auch ein Weg, als Verein mit qualifizierter Leitung einen neuen Kinder- oder Jugendchor aufzubauen oder einen bestehenden zu fördern.

 

Eine kleine Geschichte, die auch uns Mut für die Zukunft machen kann: Nach den Gesetzen der Physik kann eine Hummel nicht fliegen. Die Hummel weiß das aber nicht – sie fliegt einfach. Das hat ein Physiker ausgerechnet. Er errechnete es auf einem Bier-Deckel in einer Gaststätte. Das war um das Jahr 1930. Später stellte er fest, dass er falsch gerechnet hatte. Doch da hatte sich diese Nachricht schon überall herumgesprochen. Bis heute ist es ein Mut-mach-Spruch: Wer nicht an Grenzen denkt, kann viel erreichen! In diesem Sinne lasst uns den 190. Geburtstag feiern und den 200. gemeinsam anstreben. Denn, wenn wir unterwegs sind, wird der Weg immer kürzer, leichter, das Ziel rückt immer näher und wird plötzlich Wirklichkeit.

 

Schließen darf ich mit einem Wort, das man Martin Luther zuschreibt: „Wer nicht liebt Wein, Weib und Gesang, der bleibt ein Narr sein Leben lang!“ Wie wahr!

 

Weilburg an der Lahn, 2. November 2019

 

 

Hans-Peter Schick

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Fr

03

Jan

2020

Rückblick: Weilburger Kirchweih-Jubiläum 2019

Der Geschichtsverein veröffentlicht hier die Rede seines Schriftführers, Bürgermeister a. D. Hans-Peter Schick zum Jubiläum Weilburger Kirchweih-Jubiläum im August 2019

Hans – Peter Schick

Weilburg an der Lahn

 

 

„Kirchweih ist mehr – Weilburger Kirchweih 912 – 1569 – 2069“

Ansprache

Akademischer Abend anlässlich der 450. Weilburger Kirchweih

Mittwoch, 21. August 2019, 19.30 Uhr, Aula Komödienbau Weilburg

 

 

                                                                       Kirchweih ist mehr!

                                                                       Weilburger Kirchweih 912 – 2019 - 2069

 

Sehr geehrter Herr Bürgermeister Dr. Johannes Hanisch, lieber Johannes,

sehr geehrter Herr Hauptmann Dirk Petersen,

 

„Kirchweih ist mehr“, gerade für unsere Stadt Weilburg gilt diese Aussage, blicken wir doch nicht nur auf die 450. Kirchweih in den kommenden Tagen, sondern auch auf  Kirchweihen und Kirchweihfeste seit spätestens 912 zurück. Gleichzeitig wagen wir einen Blick auf die 500. Weilburger Kirchweih im Jahre 2069, wenn die Menschen und die Verantwortlichen bei Stadt, Kirchen und Vereinen in Weilburg es denn wollen.

 

Kirchweih ist zunächst und erstens die Weihe einer neu errichteten christlichen Kirche. Urkundlich belegt fand in Weilburg spätestens 912 die erste Weihe einer Kirche statt, dafür spricht eine Urkunde von König Konrad I. vom 28. November 912, in der es heißt „sacrosanctum Dei domum que est in Wilinaburg sub honore sancte Dei genetriciis Marie et beate Walburge Virginis constructa atque consecrata“. Die von dem aus Weilburg stammenden ersten deutschen König des ostfränkischen Reiches den Chorherren gestiftete Kirche wurde  geweiht der heiligen St. Walpurga und Maria, der Gottesmutter. Bereits zuvor hatte in Weilburg eine Kirche gestanden, die Martin von Tours, Martinskirche, geweiht war. Die Weihe von Kirchen ist bekannt seit der Einweihung der Grabeskirche in Jerusalem im Jahre 375. Die alljährlichen Kirchweihfeste kennen wir bereits seit dem Jahre 813.

1397 wird die Stiftskirche niedergelegt und die Andreaskirche, St. Andreas, errichtet und eingeweiht. 1505 folgt Bau und Weihe der Heilig Grab Kapelle und 1538 Neubau der Andreas- und Martinskirche, die Martin von Tours geweiht wird. Ab 1707 wird dann an Stelle der Martinskirche die Schlosskirche errichtet und 1713 eingeweiht, der untere Teil des Schlosskirchenturms blieb aus früherer Zeit erhalten. 1821 wird am Landtor die Karlskirche verwirklicht und eingeweiht, und zwar am 4. November, dem Fest des heiligen Karl Borromäus; Grund für den Namen Karlskirche war aber auch die Hochzeit der Prinzessin Henriette zu Nassau-Weilburg mit Erzherzog Karl von Österreich im Jahre 1815. Die jüngste Kirchenweihe in Weilburg fand am 24. Mai 1959 statt, und zwar die Weihe der Heilig Kreuz Kirche in der Frankfurter Straße. Übrigens, am Standort der Heilig Grab Kapelle stand zumindest im 13. Jahrhundert (1284) eine Muttergotteskirche.

 

Kirchweih, da feiert die Gemeinde ihre Mitte, das Haus Gottes unter den Menschen. Kirchweih, da feiert die Gemeinde sich selbst als Kirche. Kirchweih ist in Weilburg als Stadtfest zu begehen, als Fest der ganzen Stadt. Und Kirchweih, das Fest der Gemeinde ist notwendig, denn: global und digital, dabei darf lokal nicht verloren gehen, Menschen brauchen Halt und Orientierung, vor allem Gemeinschaft, alleine (über-)lebt keiner. 1318 wird das Kirchweihfest von Juli in den August verlegt. Zurück: Ein Ort ohne Kirchturm ist ein Ort ohne Spitze. Das Kirchweihfest wird seit dem Mittelalter als Fest anlässlich der jährlichen Wiederkehr des Tages der Weihe der Kirche gefeiert, und zwar im Rang eines Hochfestes. Gottesdienst mit Volksfest, insbesondere auch mit Markt für Vieh und Waren, so gestaltete sich früher das Fest.

 

Eine neue Zeitrechnung bei der Kirchweih begann in Weilburg 1569, als das Kirchweihfest und das Schützenfest schrittweise zusammengelegt wurden. 1569 bestand das Kirchweihfest aus Gottesdienst, Markt, Tanz und festlichen Mahlzeiten. Das Schützenfest am 31. Oktober 1540 erstmals wird 1608 letztmals erwähnt.

 

Werfen wir einen Blick in das Jahr 1869, die 300. Weilburger Kirchweih. Im Weilburger Tagblatt steht zu lesen: „Unser Kirchweihfest, welches am 11. und 12. August in hergebrachter Weise begangen wurde, hat sich längst, wie jedermann bekannt, zu einem allgemeinen Volksfest, das von Fremden aus Nah und Fern besucht wird, ausgebildet. … Jedermann, sei er hoch oder gering, zugänglich ist, abgehalten wird, trägt zu einer ungezwungenen Bewegung und zu einer heiteren, nie den Anstand verletzenden Unterhaltung bei. … Das Wetter war leider nicht sehr angenehm. … Der zweite Tag, der für unsere Kinder und Jugend der wahre Freudentag ist, war etwas angenehmer. Sonst aber verlief das Fest ohne Störung und Jeder fand seine Rechnung, sogar ein ungarischer Mausfallen-Händler machte Geschäfte und setzte einige Rattenfallen ab.“

Zum Weilburger Kirchweihfest hatte der Commandant der Bürgergarde Johann Christian Hündt mit einer Anzeige im Weilburger Tagblatt am 5. August 1869 eingeladen: „Zu dem am 11. und 12. August stattfindenden Kirchweihfest ladet der Unterzeichnete im Namen der Weilburger Bürgergarde die Bewohner von Weilburg sowie alle Freunde und Verehrer des Festes von Nah und Fern mit dem Bemerken freundlichst ein, dass die Herrn Festwirte Alles aufbieten werden, um ihre verehrten Gäste zu befriedigen.“ Die Gastwirte August Helbig

und Ferdinand Rosenkranz teilten via Anzeige mit, dass an den beiden Kirchweihtagen ihre Wirtschaften geschlossen sind, und Posthalter Wick bot einen Fahrdienst zum Kirmesplatz an. Die gute alte Zeit, sie kannte noch keine falschen Konkurrenzen während den Kirchweihtagen, sondern Gemeinsinn.

Bereits im Mittelalter fand am Kirchweihfest auch ein Markt statt, in Weilburg der Laurentius-Markt, weitere vier Märkte fanden im Jahreslauf statt: Christmarkt, der Oster-, Palm- oder Walpurgismarkt, der Pfingstmarkt und der Michaelismarkt. Aber nicht nur Marktgeschehen begleitete das Kirchweihfest sondern sogar Spieltische, also Glücksspiel.

 

Jakob Mankel schrieb 1913 in „Geschichte der Bürgergarde und der bewaffneten Bürgerschaft der Stadt Weilburg“: „Die Weilburger Kirmes war früher ein weit über Nassaus Grenzen hinaus bekanntes und beliebtes Volksfest. Zu dieser Bedeutung hat dreierlei beigetragen: einmal das Fortbestehen des bewaffneten Stadtausschusses in der Bürgergarde und die von derselben weiter gepflegte Verbindung von Schützenfest und Kirmes, zum andern die Stiftung der Gaben seitens der Frauen und Jungfrauen und endlich auch der Umstand, dass man die Kinder in den Mittelpunkt des Festes stellte. Solange das Interesse an der Kirmes von diesen Faktoren belebt wird, solange wird sie sich den Charakter der Volkstümlichkeit bewahren und von alt und jung gefeiert werden. Der vornehme Charakter der Weilburger Kirmes, wodurch sie sich so angenehm von vielen auswärtigen Kirchweihen unterscheidet, liegt zum Teil auch in dem Weinzwange begründet. Er muss somit ebenfalls in der Zukunft erhalten bleiben.“

 

1898 kam es zu einer grundlegende Änderung bei der Kirchweih: „Bis dahin erfolgte am ersten Kirchweihtag eine Parade der Bürgergarde vor den Honoratioren der Stadt. Dieser Vorbeimarsch barg aber für die Gardisten gewisse Gefahren. Durch den ja steten Begleiter der Kirchweihe auftretenden Regen konnte es sehr wohl vorkommen, dass sich der Lehmboden zu einer Rutschbahn verwandelte und die wackeren, zu diesem Zeitpunkte gewiß noch völlig nüchternen Gardisten trotzdem ins Rutschen bringen konnte. Seit 1898 schreiten nunmehr Bürgermeister und Magistrat die Ehrenfront der Bürgergarde ab.“ Mit 24 Mal durfte ich dieses Abschreiten als Bürgermeister in der Geschichte der Kirchweih am häufigsten erleben.

 

Ewig und zu allen Zeiten ist die Weilburger Kirchweih die sicherste Wetterprognose für Land und Leute, es regnet, danach kann man die Uhr stellen. Wiederholt wurde der Termin der Kirchweih verlegt, der Regen zog immer mit um. 1993 fragte ich als neuer Bürgermeister im Magistrat, worum ich mich neben dem Abschreiten der Ehrenfront und dem MItfeiern besonders kümmern müsse? Die Antwort: „Um das Wetter!“ Gesagt, getan! An allen Kirchweihtagen schien die Sonne bei über 30 Grad. Montags kam ich gut gelaunt in den Magistrat und fragte: „Na, wie habe ich das mit dem Wetter gemacht?“. Ich wurde kräftig gerügt, denn ich hätte vergessen, den Kirmesplatz abspritzen zu lassen, es habe zu sehr gestaubt! Danach habe ich mich bei der Kirchweih nicht mehr um das Wetter gekümmert, mich lieber auf den Hessentag und andere besondere Ereignisse wie Verkehrsfreigabe Ahäuser Brücke und manches Ereignis mehr konzentriert. Bei der 450. Kirchweih am Wochenende wird gutes Wetter herrschen, denn bei mir arbeiten derzeit Dachdecker und Anstreicher und dafür habe ich das entsprechende Wetter bestellt, also von oben trocken.

 

450. Weilburger Kirchweih, 1569 – 2019 heißt auch: Vollendung des Hochschlosses,  30-jähriger Krieg, Graf Johann Ernst zu Nassau-Weilburg, Bau der Steinernen Brücke, Herzog Adolph zu Nassau, Bau von Schiffstunnel und Lahntalbahn, Oberlahnkreis, I. und II. Weltkrieg, Gemeindegebietsreform mit Grenzänderungsvertrag, Städtepartnerschaften, Schlosskonzerte, Kreiskrankenhaus,  Teilortsumgehung mit Mühlbergtunnel und Oberlahnbrücke sowie der Hessentag, Freundschaft mit der großherzoglichen Familie von Luxemburg, vieles aus dieser Zeit ließe sich noch nennen.

 

Zwei Mal, nach dem I. und nach dem II. Weltkrieg rief der damalige Hauptmann der Bürgergarde Friedrich Brinkmann (1877 – 1960, Hauptmann 1903 – 1960) die Kirchweih wieder zum Leben, 1924 und 1947, damals fand die Feier sogar im Schlossgarten statt. Über Hauptmann Brinkmann heißt es: Er verband die Würde des Amtes mit der in seiner Person liegenden Autorität und zugleich einer herzlichen Kameradschaft.  Bei der Kirchweih 1953, zum 50. Jahr als Hauptmann, wurde Friedrich Brinkmann zum Ehrenbürger der Stadt Weilburg ernannt, der seither letzte Ehrenbürger der Stadt Weilburg.

 

1961 und 1962 wurde die Kirchweih auf dem Platz an der Hainkaserne gefeiert, weil der Kirmesplatz umgebaut wurde. In ihren 450 Jahren hat die Kirchweih so manchen Ort gesehen: Schießplatz/Kirmesplatz, Webersberg (1921), Schloss-garten (1947), Hainallee, Marktplatz, Schlossplatz, am Denkmal, Renaissance-hof und König-Konrad-Platz. Die Mitte der Stadt ist immer richtig.

 

Bei der 400. Weilburger Kirchweih 1969 kreiste am Himmel ein Flugzeug mit dem Schlepptransparent „400 Jahre Weilburger Kirchweih“, ein Geschenk von Dr. Hans Hardt. Die Post gab damals einen Sonderstempel und eine Sonder-marke heraus.

 

Der Kirmestanz von 1857 bis 2010 und das Familienfrühstück prägten die Lebensfreude bei der Weilburger Kirchweih wesentlich mit, der Festzug unter Beteiligung der Schulen der Stadt war ein herausragender Teil der Kirchweih. Die Menschen für das Stadtleben begeistern, bei 700 Jahre Stadtrechte 1995, beim 45. Hessentag 2005 ist es gelungen, bei Weinfest und Weihnachtsmarkt gelingt es. Wir Weilburger können auf vieles stolz sein, der erste deutsche König Konrad I., Graf Philipp III. von Nassau-Weilburg, Graf Johann Ernst von Nassau-Weilburg, Clarus Friedrich Ludwig von Sckell, Heinrich von Gagern, G.F. Unger oder Johannes Meyer, auf das Tunnelensemble (weltweit einmalig), den seit 2016 in der Sanierung befindlichen höchsten Pisebau Europas (jetzt auch Gerüst an der Außenfassade), auf Kirche und Rathaus unter einem Dach (deutschlandweit einmalig), Wildpark und Schlossanlage mit Schlosskirche, Bildung, Wirtschaft und Kultur sowie den Hessentag 2005, 1468 Weilburger Schlosskonzerte, Pop am Fluss und vieles mehr. Sorgen wir alle dafür, dass wir auch wieder auf die Kirchweih stolz sein können. Was man für andere tut, tut man immer auch für sich.

 

Das Anschießen am Vorabend hat sich zu einer sehr beliebten Veranstaltung entwickelt, ist zu einem echten Stück Weilburger Kirchweih geworden. Mit dem nostalgischen Jahrmarkt zeigt unsere Garde Courage, ist der richtige Weg, aber wir werden Geduld brauchen. Auch ein zeitgemäßer Kirmestanz der Kinder oder eine andere große Aktivität der Kinder würde der Kirchweih wieder gut tun, ebenso wie ein gemeinsames Frühstück der Familien, Gruppen, Vereine, Institutionen und Unternehmen oder auch von Magistrat und Stadtverord-netenversammlung. Gemeinsam aktiv, das fördert die Kirchweih. Auch wenn man nach vorne fährt, ist ein Blick in den Rückspiegel höchst nützlich.

 

Das Schießen auf die Ehrenscheibe und der Bürgergarde erinnern noch an die Zeit des Schützenfestes von 1540 bis 1569 beziehungsweise bis 1608.

 

Als einziger Ort in Hessen sprechen wir von der „Kirchweih“, ansonsten heißt es „Kerb“, „Kerwe“, „Kilb“, „Kirb“ oder vielfach „Kirmes“. Und das Fest fußt einzig und allein auf der Weihe der Kirche, dass sollten wir nicht vergessen. Kirchturm und Rathaus sind die Mitte einer Stadt, auch die geistige Mitte. Unser Wahrzeichen ist ein Kirchturm, der Turm der Schlosskirche.

 

Bevor ich zur 500. Weilburger Kirchweih 2069 spreche, ein Wort zur Bürgergarde, die spätestens seit 1849 Ausrichter der Weilburger Kirchweih ist, zuvor war es die Stadtkompagnie, Veranstalter ist die Stadt Weilburg: Unsere Bürgergarde ist die Garde der Bürger, ist die nassauische Ehrengarde. Ich bin mit Überzeugung und gerne seit 27 Jahren Gardist. Doch auch die Garde muss sich bewegen: Kinder, Jugend und Frauen sowie die erfahrenen Gardisten sind ebenso Thema, wie Freude und wahre Kameradschaft, eine offene Gesellschaft braucht eine offene Garde, Qualität ist ein Maßstab, die Garde ist auch ein Verein mit Mitgliedern, Kameradschaft ist der Schlüssel, aber nicht nur mit dem Mund, sondern mit Kopf, Herz und Hand. Wann startet das Kadettencorps? Bereits vor Jahren habe ich dem Vorstand der Garde eine Konzeptskizze vorgelegt, damals war ich bereit, das Programm mitzugestalten. Warum nicht Gardist? Warum nicht Farbe bekennen? Belächeln und Nörgeln kann jeder, aber Tragen, das ist die Kunst für Stadt und Garde.

Aber unserer Bürgergarde gebührt auch großer, ja ganz großer Dank, denn seit sage und schreibe 170 Jahren ist sie Garant der Weilburger Kirchweih, richtet aus für Kirchen und Stadt. Ihr Einsatz über die Zeit ist beispiellos, ja auch höchst bewundernswert.

 

Geschichte garantiert keine Zukunft, garantiert nur die Gegenwart. Geschichte in den Blick zu nehmen heißt, Mut und Kraft für die Zukunft zu gewinnen. Geschichte ist Geschichtetes, der Boden auf dem wir leben.

 

Riskieren wir einen Blick ins Jahr 2069, in dem Weilburg die 500. Kirchweih feiern kann, wenn! Wenn die Verantwortlichen für die Weilburger Kirchweih die Kinder wieder in den Mittelpunkt des Festes stellen, wenn die Kirchweih das Kirchweihfest und damit Stadtfest und nicht ein Gardefest ist, wenn man die Menschen begeistert, die Lebensfreude und nicht das Protokoll das Fest prägt, die Qualität stimmt und die Preise für jedermann bezahlbar sind sowie Stadt, Kirchen, Schulen, Vereine und Bürgergarde gemeinsam aktiv sind, ja dann hat die Weilburger Kirchweih fürwahr eine gute Zukunft.

Und das Alles ist keine Utopie, die Kinder- und Jugendarbeit der Freiwilligen Feuerwehren (16 Kinder- und Jugendfeuerwehren mit 193 Aktiven), die Wildpark Kitz des Vereins der Freunde und Förderer des Wildparks „Tiergarten Weilburg“ (50 Kinder binnen zwölf Monaten) und der Tanzclub Blau Orange Weilburg sowie der Spielmannverein für Theater, Musik, Kunst, Technik und Medien Weilburg (binnen weniger Monate ein beachtliches Netzwerk das Wirkung entfaltet), oder das traumhaft schöne und erfolgreiche Weinfest und der stilvolle Weihnachtsmarkt, die Schlosskonzerte mit 1.468 Aufführungen und Pop am Fluss mit Joe Cocker, Unheilig, PUR und BAP, all diese Weilburger Welten stellvertretend benannt, beweisen es, dass es auch in Weilburg geht , wenn man will, wenn Qualität, Kreativität, Leistung und Ziel stimmen. Und übrigens: Facebook, Instagram, soziale Medien und was alles noch kommt bis 2069 sind wichtig, ersetzen aber nicht den persönlichen Kontakt, face to face, von Angesicht zu Angesicht. Und welcher Geist in einer Stadt herrscht entscheidet über die Zukunft. Morgen sind es nur noch 49 Jahre bis zur 500. Kirchweih. Es liegt an uns allen.

Unserer Stadt Weilburg, unseren Kirchengemeinden, unserer Bürgergarde sowie allen Menschen und Freunden der Stadt wünsche ich von Herzen alles Gute, es lebe die Weilburger Kirchweih, es lebe unsere Stadt Weilburg an der Lahn, von Bermbach bis Gaudernbach, ad multos annos.

 

Mit zwei Versen darf ich schließen, die eindrucksvoll den Stellenwert und die Bedeutung der Weilburger Kirchweih beschreiben:

 

1857 verfasste ein Gast der Kirchweih einen „Nachruf“:

„Weilburger Kirchweihfest

strahlet im Glanz;

schöner in Nassaus Land

ist mir kein Fest bekannt.

Weilburger Kirchweihtag,

dein ist der Kranz!

Weilburg hoch!“

 

Und das Kirchweihlied von Joseph Muth von 1856, die Hymne der Kirchweih, endet:

„Freut Euch, so lang Euch Gott

Freude beschert,

Und wenn des Jubels Schall

Wecket den Widerhall,

Dann sei mit dreimalhoch

Weilburg geehrt!“

 

Ich danke für die Aufmerksamkeit und wünsche uns einen schönen Abend sowie eine wunderbare 450. Kirchweih 2019, die Gemeinschaft stiftet und Mut macht.

 

Weilburg an der Lahn, 21. August 2019

 

 

Hans-Peter Schick

 

Bürgermeister a.D. und Gardist

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